# Technik, Vielfalt und KI – warum es jetzt Frauen braucht

Von Stefanie Blaschke, BSc, MSc, MSc (5BHITN 2008), Head of Group People Analytics at UNIQA

Meine Zeit an der HTL habe ich insgesamt als sehr wertvoll erlebt. Wir waren bis zu fünf Mädchen in der Klasse – für die damaligen Verhältnisse sogar relativ viele. Technik, Mathematik und Programmieren haben mich interessiert, weil für mich vieles einfach logisch war. Trotzdem gab es auch Erfahrungen, die mir bis heute in Erinnerung geblieben sind.

Eine davon war ein Elternsprechtag, an dem meiner Mutter von einem Lehrer gesagt wurde, dass ich an der HTL „nicht wirklich richtig“ sei, weil mir angeblich das technische Verständnis fehle.

Das war zum Glück eine einzelne Erfahrung – aber sie zeigt, wie prägend einzelne Aussagen sein können. Selbst wenn vieles gut läuft, bleiben solche Momente hängen und beeinflussen, wie sehr man sich etwas zutraut.

Heute weiß ich: Viele Mädchen verlieren nicht das Interesse an Technik, sondern das Vertrauen in sich selbst. Rollenbilder, Erwartungen und das soziale Umfeld spielen dabei eine enorme Rolle. Gerade in jungen Jahren möchte man dazugehören. Wenn das Interesse an Mathematik oder Technik in der Peer Group abnimmt, braucht es Mut, trotzdem dranzubleiben. Und es lohnt sich definitiv dranzubleiben, weil Technik spannende Zukunftsaussichten bietet.

Ein Zukunftsthema, bei dem mir Sichtbarkeit besonders wichtig ist, ist Künstliche Intelligenz (KI). Ich nutze KI heute sehr aktiv, sowohl beruflich als auch privat. KI verändert bereits jetzt massiv, wie wir arbeiten, zum Beispiel in der Softwareentwicklung. Ich habe an der HTL und im Studium Programmieren gelernt, hatte aber auch immer wieder Phasen, in denen ich wenig oder gar nicht programmiert habe. Der Wiedereinstieg war früher oft mühsam. Heute ist das anders: Mit KI lassen sich Ideen und Prototypen in kürzester Zeit umsetzen. Das senkt Einstiegshürden enorm.

Bei all den Vorteilen ist KI jedoch keine neutrale Technologie, sondern sie wird von Menschen entwickelt und lernt von Daten, die von Menschen gemacht sind. Deshalb spielt es eine enorme Rolle, dass auch Frauen sich aktiv einbringen. Diversität ist hier kein „Nice to have“, sondern Voraussetzung für eine verantwortungsvolle und faire Nutzung dieser Technologie.

Mein Rat an heutige Schülerinnen der HTL Wien West: Seid neugierig, probiert Dinge aus und habt keine Angst davor, nicht alles zu können. Technik und besonders KI entwickelt sich ständig weiter. Niemand weiß alles. Aber wer heute beginnt, sich damit zu beschäftigen, kann diese Zukunft aktiv mitgestalten.


Nach der Matura habe ich meinen Weg im technisch-wirtschaftlichen Umfeld konsequent weiterverfolgt. Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und mich früh an der Schnittstelle von IT, Daten und Business bewegt. Schon während des Studiums habe ich praktische Erfahrungen in datengetriebenen Projekten gesammelt und gemerkt, wie spannend es für mich ist, mit Zahlen, Analysen und Technologie reale Entscheidungen zu unterstützen.

Beruflich hat mich mein Weg zunächst zu Austrian Airlines in den digitalen und analytischen Bereich geführt. Dort habe ich erlebt, wie wichtig datenbasierte Entscheidungen, strukturierte Analyse und technisches Verständnis sind. Parallel dazu habe ich meine Ausbildung im Bereich Digital Business Management an der FH Steyr und JKU Linz mit einem berufsbegleitenden Master weiter vertieft.

Seit 2020 bin ich bei UNIQA Insurance Group tätig, in unterschiedlichen Positionen und Bereichen. Heute leite ich dort den Bereich Group People Analytics. Ich beschäftige mich mit der Frage, wie Daten, Analytics und Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll eingesetzt werden können, um bessere Entscheidungen zu treffen. Dabei geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um Governance, Ethik, Transparenz und die richtige Einbindung von Fachbereichen.

Meine technische Grundausbildung aus der HTL und aus dem Studium ist bis heute eine zentrale Basis meiner Arbeit. Auch wenn ich nicht jeden Tag selbst programmiere, hilft mir dieses Fundament enorm. Es ermöglicht mir, technische Zusammenhänge zu verstehen, die richtigen Fragen zu stellen und mit Entwicklerinnen und Entwicklern, Data Scientists und IT-Teams auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Gerade im Kontext von Künstlicher Intelligenz ist dieses Verständnis wesentlich. KI wirkt oft wie „Magie“, ist am Ende aber das Ergebnis von Daten, Logik, Algorithmen und klaren Annahmen. Wer die Grundlagen kennt, kann besser einschätzen, was realistisch ist, wo Risiken liegen und wie verantwortungsvolle Lösungen gestaltet werden können.

Zusätzlich engagiere ich mich im Hochschul- und Bildungsumfeld, unter anderem im Rahmen von universitätsnahen Initiativen und Vortragstätigkeiten, bei denen es mir besonders wichtig ist, Frauen für Daten, KI und Tech-Themen zu begeistern und ihnen Mut zu machen, diese aktiv mitzugestalten.


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